Saurus

"die beste neue hiesige Popband dieses Jahrtausends. Punkt." (Musikexpress / Eric Pfeil)

SAURUS

Es ist mal wieder soweit! Ein weiteres Album der unglaublich kreativen Locas in Love. Lange haben sie dafür gebraucht. Vom Sommer 2005 an bis in den Herbst 2006 nahm die Band Ihr neuestes Album auf. Hiernach ging es in die US of A zu Peter Katis, der den Aufnahmen die richtige Mischung gab und jetzt ist es bald soweit das Album in eure Hände zu geben. Anfang Februar wird SAURUS bei allen guten (und vielleicht auch ein paar fiesen) Plattenhändler stehen. Damit Ihr das Album ganz schnell haben könnt gibt´s VINYL & CD auch direkt bei uns im Shop!

Die SPEX hat es schon in Ihrer leider letzten (Kölner) Ausgabe für sich entdeckt und auch der Musikexpress überschlägt sich!

Spex # 306, 01-02/2007:

Die »Sachen«, die uns beschäftigen, ohne wichtig zu sein, ohne Leidenschaft zu erfordern, sie halten uns auf, zurück und in engen Kreisen gefangen. Gleichwohl sind es die Dinge, um die herum Locas In Love ihr grandioses Album aufbauen. Ja, ich scheue mich nicht, dieses Adjektiv hier und jetzt zu betonen. Musik, die nicht aus dem Alltag oder vor dem Gegenüber flieht, die denkt, fühlt und weitererzählt, was in den Gedankenwelten von Frank Spilker oder Jochen Distelmeyer jemals eine Rolle gespielt hat.
Auf der Suche nach Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit und Nähe zelebriert diese Band in großformatigen Popsongs schlichtweg echtes Storytelling, unkodiert und lyrisch liebevoll in Szene gesetzt. Jenseits von Floskeln zu texten kann ja bekanntlich ganz schön in die Hose gehen. Nicht so hier. Schönstes Beispiel ist hier sicherlich die völlig unpeinliche Ödnis-Beschau des »Hauses Deiner Eltern« in »Egal wie weit«. Locas’ Geschichten spielen sich in jedem Leben ab, gehen raus in den Alltag. Gut so, und eigentlich der einzig richtige Weg.
Die Musik trägt die Worte weiter. Ein fast unfassbares Amalgam aus Einflüssen lässt »Saurus« musikalisch leuchten. Nervös fuchtelt meine Hand im Nichts herum, um die Bands vor meinem geistigen Auge zu erhaschen, die in der Referenzliste an mir vorbeirauschen. Ist es nun blöd, Weezer, They Might Be Giants, Sonic Youth und Bright Eyes als exemplarische Big Shots aus dem Register zu ziehen? Wer kennt schon noch Geschmeido? Was ist eigentlich die hiesige Entsprechung zu Americana? Ist »Rosa Mond« nun wirklich eine Anspielung auf Nick Drake? Okay, das führt zu nichts...
Gleichzeitig aber klingt das Album – Vorsicht, Floskel! – so reif und aus einem Stück gehauen, dass ich mich immer wieder vergewissern muss, wie jung diese Band ist. Mehr als das und die Tatsache, dass Kollege Jan Niklas Jansen neben Spex auch diese Band mit seiner Kreativität befeuert, weiß ich nicht über Locas In Love. Was egal ist, denn nach einem Hördurchgang ist die Band ohnehin ein guter Bekannter – und für meine allerletzte Spex-Rezension wohl der schönste Gegenstand, den ich mir wünschen konnte. Danke.
Carsten Sandkämper


Musikexpress:

Kluger deutscher Szenetypen-Pop, den man am liebsten verstecken möchte, um ihn zu beschützen.

Man hat ja oft Angst, sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen und auf die Straße zu klatschen. Aber, was soll’s: Locas In Love, diese unverhoffte kleine Band aus Köln, könnte ein Wunder werden. Es wäre glatt möglich, dass diese vier Menschen nach langer Zeit die ersten sein werden, die wieder anfangen, Dinge richtig zu machen: nicht für Raabs Bundesbandwettbewerb spielen, sich nicht von der Neon unter die 100 wichtigsten jungen Deutschen wählen lassen. Warum sie so besonders sein sollten? Nun, hier kommt er also, der Moment des Rezensentenaufschlags auf dem harten Asphalt: Locas In Love sind die beste neue hiesige Popband dieses Jahrtausends. Punkt. Oder anders: Endlich begegnen sich bei einer deutschen Band mal wieder Popinstinkt, Hirn und Stilsicherheit auf Augenhöhe. „Sachen“ heißt der erste Song des zweiten Locas-Albums, und er verhandelt sehr geradeaus Dinge, die zu öde sind, um sie Themen zu nennen: „Sachen“ also. Gerade fragt man sich noch, ob eine Band wirklich über etwas singen sollte, worüber zu sprechen schon langweilig genug ist, da hat man sich schon in Björn Sonnenbergs versmaßsprengenden Gesangsstil verliebt. Im zweiten Song „Zum Beispiel ein Unfall“ spuckt Co-Sängerin Stefanie Schrank Judith Holofernes mal eben ins Poesiealbum, und spätestens bei der anrührenden Loser-Hymne „Comandante“ wünscht man der Band wahlweise eine Weltkarriere oder will sie nur noch für sich allein haben. Ihre größte Stärke – neben den schlichten, aber packenden Melodien – sind die Texte: Schnodderpoesie und Luschenlyrik mit wundem Punkt (sehr schön im Weihnachtsheimkehrerdrama „Egal wie weit“). Und mit dieser Pose gelingt ihnen fast alles: Typenkarikaturen, Krawallbekundungen, putzige Endzwanziger- und Frühdreißigeranalysen, Jugendphrasenverdrehereien und aussichtslose Utopien. Und immer, wenn’s gerade am schlimmsten schmerzt, bekommt man etwas zu lachen: „Ich verkrampf mich immer fester und blicke so starr/dass meine Augenbrauen wehtun/In 20 Minuten werd’ ich Muskelkater haben“ (aus „High Pain Drifter“). Die Musik dazu ist freundlich swingender Jungliedermachergitarrenpop zwischen hutzeliger Post-Kleinkunst und arglosem Weltumarmer-Schlager: Manchmal klingt die Band fast wie Herman Düne auf deutsch, falls das jemandem hilft. Ohne ihnen eine Last auf die schweren Schultern laden zu wollen, aber vielleicht schaffen sie es ja wirklich, Raab und NEON von der Schippe zu springen. Es ist möglich, daß manches hier bald schon wieder zu alltagsverhaftet, zu geheimnislos, zu anständig poprockig, am Ende vielleicht sogar doch wieder zu deutsch klingt. Man kennt sich ja. Doch jetzt, in diesem Moment, ist diese Platte geradezu eine Offenbarung.
* * * * * (fünf Sterne)
Eric Pfeil

> über Locas in Love

 

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