le mobilé

Mobile - U-Bahn

"Denn in dieser Band steckt alles, was wirklich großer Indierock braucht: Wahrhaftigkeit, Dringlichkeit und eine stille weise Poesie." (benjamin maack, intro nr. 140)

“Manchmal muss man halt doch genauer hinhören: Ja, Mobilé spielen Schrammelpop mit deutschen Texten. Ja, man hört der Band an, dass Tocotronic in der Jugend wohl der prägende Einfluss gewesen sein muss. Und ja, irgendwie ist wohl auch das hier in irgendeiner Form Befindlichkeitsrock. Und trotzdem sind Mobilé anders. Mit seinem zweiten Album (veröffentlicht vom Kölner Label Sitzer) überrascht das Berliner Quartett nachhaltig und beeindruckt durch Tiefe, Einfallsreichtum und nennen wir es: Menschlichkeit.“ (oliver minck, stadtrevue 06-07)

„Und doch bestehen die Berliner Indierocker von Mobilé darauf: Es gibt ein Leben nach dem Scheitern. Diese Neuvermessung des Raumes erklingt dabei in einer für den deutschsprachigen Indierock ungewohnten musikalischen Vielfalt: der ungeschliffene, zuweilen gar an Notwist erinnernde Gitarrensound der Band wird durch den sparsamen Einsatz von Klavier, sanften Orgelteppichen und sogar einem ganzen Streichquartett ("Tschaikowski") zu einem warmen, dichten Gesamtbild.“ (daniel von fromberg, hannoversche allgemeine zeitung 1.8.2006)

"grundsätzlich ist "Kartographie" vor allem ein musikalisch unverschämt abwechslungsreiches Album, voller großer Melodien und kaum weniger kleinen Gefühlen, ein Hoffnungsschimmer im zunehmend grauer werdenden Deutschpopeinheitsbrei." (thomas winkler, taz 30.6.06)

"Geheimtipp der "intelligentuellen" manisch depressiven Trainingsjackenfraktion" (taymas, FoMP.de)

"zum Heulen schön" (lars poeck, zuhause)

„Weil sich diese Lieder auf eine Suche nach Geborgenheit machen, nach einem Raum, in dem man vor den Idioten endlich Ruhe hat. Und weil sie immer wieder beweisen, dass man weder große Worte noch große Szenarien braucht, um die größten Ängste und das große Glück in Sprache zu fassen. (...) Diese Stücke lassen einem kaum eine andere Möglichkeit als sie aus sehr persönlichen Gründen zu mögen.“ (jan niklas jansen, spex #300 no. 07/2006)




jetzt ist schon wieder was passiert.
mobilé haben ein neues bandmitglied und nutzen die gelegenheit, sich umzubenennen.
le mobilé sind im juli auf tour und bringen die tschaikowski-single heraus.


die erste auskopplung aus dem letztjährigen „kartographie“-album (sitzer records/broken silence, schönwetter/edel) enthält neben zwei unveröffentlichten b-seiten noch vier neu aufgenommene akustik-versionen, einen remix und live-videos. von fans für fans.

le mobilé is the new mobilé. gründungsmitglied frank neuer zieht sich aus dem showgeschäft in eine special-guest- und paten-rolle zurück. die vakante bandposition wird von andreas spechtl übernommen, einigen als kopf der wiener formation „ja, panik“ bekannt. auf der tour im sommer wird andi schon bei einigen terminen dabei sein.

die gelegenheit wird ergriffen, aus mobilé "le mobilé" zu machen, um verwechslungen, aussprache- und transskriptionsschwierigkeiten im nachhinein von vornherein zuvorzukommen, die auffindbarkeit zu erleichtern und sich ankündigungen anzupassen, die etwa bei einem berliner stadtmagazin bei dem vom sänger selbst geschriebenen infotext noch ein "le" vor den namen klebten.
ein wenig geht es auch darum, dass die band gerne lesen würde: "sie haben sich wiederum neu erfunden". was ja gar nicht stimmt.


zum Album Kartographie

Kartographie ist das zweite Album von Mobilé, das erste hieß ‚Nennen wir es den Tag’ und erschien 2003 bei LoobMusik, beide Alben wurden mit und bei Tobias Siebert von Delbo und Klez E in dessen Berliner Studio aufgenommen. Ihr Sound, astreine Independentmusik, wurde (ob weiterhin wird, soll dieses Album zeigen) gerne mit (den frühen) Tocotronic verglichen; ein Mißverständnis, das darauf beruht, dass beide Bands ihre Wurzeln in einen vergleichbaren (amerikanischen) Nährboden schlugen, aus dem in beiden Fällen ein völlig eigenes und unverwechselbares Gezücht erwuchs. Dieser Absatz war der mit dem Informationsgehalt, wer nicht viel Zeit hat und nur ein paar Schlagworte für die Ankündigung im Monatsmagazin oder Programm gesucht hat, wurde hoffentlich fündig, ohne den ganzen Sermon lesen zu müssen.

Es ist ein langweiliges Thema, von der Ungerechtigkeit zu reden, mit der Bands aus Deutschland sich herumschlagen müssen: dass sie es so ungleich schwerer haben als Bands aus England oder gar Amerika. Ob das stimmt oder nicht sei dahingestellt, ob es ein Grund ist, Desinteresse oder Erfolglosigkeit zu rechtfertigen ebenfalls. Was ich aber bestimmt weiß: wären Mobilé Amerikaner wäre die Chance doch höher, dass noch mehr Leute mit mir in Peer Göbel ein Genie vom Format eines Will Oldham oder Doug Martsch erkennen wollte. Einen dieser Kauze, die ein bißchen seltsam aussehen und irgendwo weit draußen wohnen und dort hauptsächlich einen Song, ein Album, ein Projekt nach dem anderen aus dem Ärmel schütteln; nahezu alles, was sie tun ist überraschend und wird von Kennern wie eine kleine Offenbarung aufgenommen. Bassist Frank Neuer würde vielleicht ähnlich wie Steve Albini verehrt werden: als einer, der neben der großen Leistungen als Musiker noch in anderen Reservaten wildert, aber alles auf seine völlig eigene, verschrobene, aber in sich geschlossene konsequente Weise erledigt und lose Enden miteinander verknüpft, die streng genommen nicht verknüpfbar sind.

Nicht jedem, vermutlich nahezu keinem, der dieses Infoschreiben erhält, sind Mobilé und die Mitglieder (persönlich) bekannt. Aber in meinen Augen liegt ein wesentlicher Bestandteil zum Verständnis der Band gerade darin. Wie die Typen sind, was sie so treiben. Die CD kann ja jeder hören und ich maße mir nicht an, einerseits Mobilés Album abordnen, andererseits das Urteil der oder des Rezensenten damit in die ein oder andere Richtung lenken zu wollen oder zu können. Ich begreife die Musik so, dass sie ausgeht von ganz klassischem Indierock im seinem umfassendsten Verständnis wie bei Sebadoh, Chokebore, Dinosaur Jr, Lemonheads oder auch Mogwai (gerade live) und von einer Band umgesetzt wird, die nicht versucht, mit ihren Unzulänglichkeiten zu kokettieren und ‚dilettantischen Charme’ aufzurufen, wenn sie am großen Wurf scheitert, aber immerhin etwas Niedliches auf dem Weg dorthin zustande bringt (ohne das nun per se abwerten zu wollen), sondern die ihren Unzulänglichkeiten an der richtigen Stelle Raum gibt und in das verkehrt, was das Ziel von Musik zu sein hat: einen eigenen Sound. Will sagen: das besondere an Mobilé könnten gerade die Töne, die Rhythmen, die Soli, die Akkordwechsel sein, die sie NICHT spielen und welche Entscheidung sie stattdessen treffen. Mobilé versuchen nicht etwas zu sein, was sie nicht sein können, sondern ziehen die richtigen Schlüsse aus dem was sie mögen und was sie können und heraus kommen dann Meisterwerke wie ‚Tschaikowski’ oder ‚Kaffeweißer’, um nahezu willkürliche Beispiele zu wählen.

Aber zurück zur vorhin aufgemachten und bislang nicht geschlossenen Klammer, in der ich anfing, über die Boys behind Mobilé auszuholen. Wie sind sie privat, haben sie Freundinnen und wo trifft man sie nach Feierabend? Peer führt ein Leben, für das andere vier bräuchten. Seit mehreren Jahren gibt er die Zeitschrift SOMA heraus, ist Mitglied eines Chores, der Gruppe kritkon, die u.a. Comic-Live-Lesungen macht oder Hörspiele per Diashow nachträglich illustriert und sitzt viel in seinem Zimmer, wo er an einem seit mehreren Jahren schrottreifen Computer Streicherarrangements schreibt oder auf Butterbrotpapier Dinge ausdruckt, die ihm Freude machen: Flyer für Konzerte, Artwork für seine Platten oder kleine Kartenspiele wie das Mobilé-Trumpf-Quartettspiel. Er hat letztes Jahr sein Soloalbum veröffentlicht, ein Konzeptalbum mit dem Titel ‚Lieder, um sie auf das Ende eines Mixtapes zu machen’, das ebensolche enthält. Fast 30 Stück zwischen wenigen Sekunden und mehreren Minuten Spieldauer. Bei einem Soloauftritt vor wenigen Wochen hat er die Tierhitparade wiederentdeckt und sich aufgemacht, weitere Facetten von (seinem) Songwriting vorzustellen oder gerade in diesem Moment zu erfinden.
Frank Neuer besitzt eine Firma für Emulsionstechnik (testroe.de) und ein Buchantiquariat (mogwa.de), in dem natürlich Peer als Verkäufer arbeitet und den aufmerksame Hörer irgendwo auf dem Album wieder finden werden. Hat er Gäste, legt er morgens gerne eine Gymnastikschallplatte auf. Er kennt sich mit eigentlich allem aus, was es so gibt auf der Welt und weiß sofort, warum die fränkische Küche leichter ist als die schlesische (erfundene Beispiele) und welchen Wein er zu welcher reichen würde, wenn er dann eines Tages einen Musikklub mit Restaurant eröffnen wird (in dem dann nach Feierabend im Buchladen Peer hinter der Theke steht).

Ich könnte das noch weiterführen, ewig meinetwegen. Daß ich über Marius Beutel nur schreibe, dass er zurückhaltend und konzentriert ist und auch so Gitarre spielt hat Platzgründe. Ich könnte weitere Nebenschauplätze aufzählen, auf denen er sein Leben führt und dasselbe wiederum bei Ralf Neuer, Franks kleinem Bruder, dem Schlagzeuger. Ich könnte noch weitere Bands oder Projekte nennen, weitere Ansätze, die wichtig sein könnten, um Mobilé besser, nein, nicht verstehen, sondern nachfühlen zu können. Ich könnte den unelitären Gestus loben, mit dem diese vier jungen Männer, die so gebildet, höflich, freundlich und intelligent sind wie sich romantische Indierockfans womöglich die jungen Blumfeld oder Pavement vorstellen, ihre Band ohne jede Arroganz betreiben, ohne die Haltung ‚Künstler’ oder ‚Profi’ zu sein. Mobilé ist eine Selbstverständlichkeit im Leben von Peer, Frank, Marius und Ralf; so wie all die anderen Sachen, die sie machen und die alle nur deshalb selbstverständlich sind, weil sich die vier nicht vorstellen könnten, ein Leben ohne diese Dinge zu führen. Alles, was wichtig ist, alles woran man glauben kann, alles, was sich lohnt, in solche ausgelastete Leben und Terminkalender dennoch einzubauen. Und das hört man der Band und ihrer Platte an, wie wichtig sie ist, wie viel sie mit dem Leben zu tun hat (und selbst wenn es nur das Leben der vier sein mag), wie sehr sie einer unmittelbaren Wirklichkeit, einer Notwendigkeit entspringt.

Mobilé sind keine ‚Künstler’ im klassischen Sinne, keine klassischen ‚Getriebenen’, keine Wahnwitzigen oder Besessenen, die das alles machen MÜSSEN, weil sie sonst verrückt würden (ohne diesen Ansatz abzulehnen). Mobilé WOLLEN das alles und die Entscheidung dafür, diese Band zu machen ist freiwillig, sie hat mit Liebe und Hingabe zu tun und mit – ich sagte es bereits – Dingen, die wichtig sind.

Ich spreche einen Toast aus auf die Teller und Gläser, auf die Nächte und Tage. Auf die Geschichten, die wir uns noch erzählen wollten, auf die Geschichten, die wir noch hervorbringen werden. Hoch die Tassen auf den löslichen Kaffee! Dein Geschenk ist gut angekommen. Danke dafür.

Björn Sonnenberg, April 2004

Letztes Album

 tschaikowski single

tschaikowski single Die Single zu ´Kartographie´ enthält2 Songs vom Album ("tschaikowski" und prinzipiell...."),5 Remixen und 2 bisher noch unveröffentlichen Songs UND noch dazu 2 Videos! YEAH!1. tschaikowski (album-versionen)2. prinzipiell habe ich nichts gegen renovierte häuser (album-versionen)3. ein lied mehr (bisher unveröffentlicht)4. oder zumindest (bisher unveröffentlicht)bonus-tracks:5. solitär (bratschen-version)6. kartographie (country-version)7. liebeslied mit einem schiefen kapitalismusbegriff (akustik-version)8. versucht (piano-version)9. zu wenig-remix (naomi sample-version)außerdem enthalten: das "solitär"-video und livevideos von der maitour (hamburg, lüneburg, freiburg).

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