Klitpop
Wenn es noch irgendwelche Zweifel geben sollte, dass KLITPOP die größten Songwriter seit Schubert sind, dann werden mit der Publikation der neuen KLITPOP-EP die letzten Spuren dieser bürgerlichen Vorurteile und Vornehmtuerei hinfort gewischt sein, dank dieser Flut von spaßmachender Musik, die nur der Ignorant nicht hören will und nur der Taube nicht zu schätzen weiß. Schlicht "Eigenantrieb" betitelt, eingehüllt in eine Kachel mit einem rotweißen Fisch drauf, werden hier vier Popsongs ihren Weg machen und alle zynischen Besserwisser belehren.
Schon der Opener, lässig ‚Truman' gerufen, besticht. Dieser lässige Beat-Stomper, der den fünf Klitpops bereits The-Fall-Vergleiche eingehandelt hat, ist ein erfahrenes Livestück und schon seit 1999 im Set dabei. Jasmin, die Ritas niederschmetternden Text sprechsingt, und der eingängige Gitarrenriff zeigen nur eins: Wir haben es mit einem Hit zu tun. "Eigentlich sollte das Stück ‚Don't like the thought' heißen", berichtet Rita, "aber der Hint zur Truman Show und dem atombombenwerfenden dead president gab den Ausschlag." Auf dem Kölner Campusradio rotiert das Teil (in einer Demo-Version) bereits fleißig.
Das zweite Stück auf der A-Seite ist von ganz besonderer Brisanz. Was heißt ‚P.M.S.'? Wie weit ist es von der Oberstufentauglichkeit Blumfelds zur rockenden Wahrheit? Auf jeden ist ‚P.M.S.', getrieben von einem Rockbeat, eines der intensivsten Songs, die KLITPOP je geschrieben haben - schaurig traurig und herbe derbe. Dazu noisy as Wohnung an der Autobahn. Man achte vor allem auf den hypnotischen Basslauf von Elke! Das soll erstmal eine/r nachmachen.
Die Flipside zeigt dann eine andere Seite der Band. Nach allen Gesten des Ernstes rulet der Spaßfaktor - in ‚Das innere Radio' ist es die Liebe zum Ohrwurm, bei allen Begleitumständen, die durchaus was mit Medienknästen zu tun haben, die uns in den Bann schlägt: "Wir fühlen uns wie Eiskrem", zerlaufen vor Hitze. Die NDW-artige Gitarre Renés und dieser wahnsinnige Fast-Reggae-Teil, der Choreinsatz und das Fiepen des Kofferradios: KLITPOP at their best. Nennt es ruhig "vintage", aber passt auf: So schnell kriegt er das nicht mehr aus dem Kopf.
‚The Lector' setzt dem Eigenantrieb die Krone, was schreibe ich: den Lorbeerkranz auf. Dieses Call-und-Response von Telefonstimme (René) und Background Model (Jasmin und Jule) bouncet euch Rocksäume und Hosenzipfel weg. Seit wann hat man nicht mehr solch ein Orgelsolo wie hier von Jule gehört? Ganz nebenbei haben die Fünf damit noch eine Hymne an ihren Lieblingsproduzenten Phil Spector geschrieben. Vielleicht horcht er ja auf, entsteigt lebendigen Leibes seiner ungebauten Gruft und lädt die fünf ins Studio ein. Verdient hätten sie's.
Am Ende ist also alles, was du tust, stehen und applaudieren. Was immer auch dein Geschmack war, hier findest du ihn befriedigt. Diese Aufnahmen, die nicht ohne den Alleskönner Dr. Betten entstanden wären, nahmen nur sieben Monate in Anspruch, und wenn ihr denkt, das wäre langsam, bedenkt auch, dass KLITPOP seit der Fertigstellung 15 weitere Stücke geschrieben haben. Selbst Schubert arbeitete nicht so schnell."
Pressetext: Tony Palme, Melody Maker